Erste Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 3. Mai 2011 -  

Inkrafttreten zum 01. Nov. 2011 (Teilauszug)

 

Die drei wesentlichen Schwerpunkte der Änderung werden nachfolgend aufgeführt:

 

Teil 1 -

Jährliche Untersuchungspflicht auf Legionellen (Teilauszug)

 

Am 1. November 2011 tritt die Erste Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 3. Mai 2011 (BGBl. Teil I, Nr. 21 vom 11. Mai 2011, S. 748 – 774) in Kraft. Diese bringt für die Trinkwasserverordnung (TrinkwV) Neuregelungen u. a. in Bezug auf Legionellenuntersuchungen in Trinkwassererwärmungsanlagen in der Trinkwasser-Installation (insbesondere Neufassungen von § 9 Absatz 8, § 13 Absatz 5, § 14 Absatz 3, Anlage 3 Teil II und Anlage 4 Teil II Buchstabe b TrinkwV).

 

Betroffen sind alle Unternehmer und sonstigen Inhaber einer Trinkwasserinstallation, in der sich eine Großanlage zur Trinkwasserwärmung nach der Definition der allgemein anerkannten Regeln der Technik befindet, sofern aus dieser Trinkwasser im Rahmen einer öffentlichen oder gewerblichen Tätigkeit abgegeben wird. Die Untersuchungspflicht besteht für Anlagen, die z. B. Duschen oder andere Einrichtungen enthalten, in denen es zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommt (also nicht für das Handwaschbecken in der Toilette des Restaurants). Großanlagen zur Trinkwassererwärmung sind Speicher-Trinkwassererwärmer oder zentrale Durchfluss-Trinkwassererwärmer mit einem Inhalt von mehr als 400 l und/oder 3 l in jeder Rohrleitung zwischen dem Abgang des Trinkwassererwärmers und der Entnahmestelle (vgl. DVGW-Arbeitsblatt W 551*).

 

Der Untersuchungspflicht muss der Unternehmer und sonstige Inhaber einer Trinkwasserinstallation selbstständig nachkommen, ohne dass es einer Aufforderung durch das Gesundheitsamt bedarf. Sie besteht ausschließlich bei Anlagen, die Trinkwasser im Rahmen einer gewerblichen oder öffentlichen Tätigkeit im Sinne der Trinkwasserverordnung abgeben.

 

Bei Anlagen in ausschließlich selbst bewohnten Eigenheimen besteht die Untersuchungspflicht somit nicht. Zur Einordnung als gewerbliche Tätigkeit ist die zielgerichtete Abgabe entscheidend, d. h. die Duschen für die Mitarbeiter in der Autowerkstatt gehören nach TrinkwV nicht dazu, unabhängig, ob aufgrund anderer Vorgaben (Arbeitsstättenverordnung, Hygiene, Fürsorgepflichten, Verkehrssicherungspflichten) hier Untersuchungspflichten bestehen.

 

Liegt eine Trinkwasserabgabe im Rahmen einer gewerblichen Tätigkeit vor (z. B. Vermietung), so ist weiter zu prüfen, ob es sich auch um eine „Großanlage“ entsprechend den allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) handelt. Die Anlage muss die oben genannte Größe haben. Ein- und Zweifamilienhäuser sind nicht betroffen.

 

Mit Inkrafttreten der Änderung der TrinkwV besteht außerdem eine Anzeigepflicht. Der Unternehmer oder sonstige Inhaber einer solchen Großanlage hat den Bestand dem Gesundheitsamt anzuzeigen.

Die Untersuchungshäufigkeit für die systemische Untersuchung auf Legionellen ist einmal pro Jahr. Die Untersuchung muss durch ein akkreditiertes und vom Land gelistetes Labor durchgeführt werden. Für Nicht-Risikobereiche (z. B. gewöhnliche Mietshäuser) sind Verlängerungen der Untersuchungsintervalle durch das Gesundheitsamt möglich, wenn die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (aaRdT) nachgewiesen ist und die Befunde von mindestens drei jährlichen Untersuchungen ohne Beanstandung waren. Untersuchungen nach den aaRdT, die vor dem

1. November 2011 durchgeführt wurden, können dabei anerkannt werden. Es kann erforderlich sein, dass der Unternehmer und sonstige Inhaber nach den aaRdT geeignete Probennahmestellen einrichtet.

 

Die Untersuchungsergebnisse sind dem Gesundheitsamt zu übermitteln. Dieses stellt ggf. fest, ob der Betreiber oder sonstige Inhaber Maßnahmen gegen eine Kontamination zu treffen hat.

 

Ob Maßnahmen notwendig sind, beurteilt das Gesundheitsamt nach dem technischen Maßnahmenwert von 100 Koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter Trinkwasser sowie ggf. nach Ergebnissen einer vom Inhaber durchzuführenden Gefährdungsanalyse und Ortsbesichtigung.

 

 

Teil 2 -

Information durch Anlagenbetreiber über das Vorhandensein von Blei als Werkstoff in der Trink- wasserleitung (Teilauszug)

 

Am 1. November 2011 trat die Erste Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 3. Mai 2011 (BGBl. Teil I, Nr. 21 vom 11. Mai 2011, S. 748 – 774) in Kraft. Danach wird der zulässige Höchstwert für Blei im Trinkwasser zum 01. Dezember 2013 nochmals deutlich gesenkt.

 

Ziel ist es, die Verbraucher besser vor einer gesundheitsschädlichen Aufnahme von Blei mit dem Trinkwasser zu schützen.

 

Hier hat das Versorgungsunternehmen eine besondere Anzeigepflicht gegenüber dem Gesundheitsamt in Bezug auf Versorgungsleitungen und Hausanschlussleitungen laut Trinkwasserverordnung § 16 Absatz 1 Satz 1, wenn die Grenzwerte laut § 6 Absatz 2 überschritten werden.

 

Für die Hausinstallation ist der Hauseigentümer selbst verantwortlich. Die sicherste Maßnahme, um den Bleigrenzwert im Trinkwasser zuverlässig einzuhalten, ist der Austausch noch vorhandener Bleirohre. Andere technische Abhilfemaßnahmen sind denkbar, sollten im Einzelfall aber mit der zuständigen Behörde (Gesundheitsamt) geprüft werden.

 

 

Teil 3 -

Einsatz von geeigneten Sicherungseinrichtungen beim Anschluss von Apparaten an die Trink-    wasserinstallation (Teilauszug)

 

Am 1. November 2011 trat die Erste Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 3. Mai 2011 (BGBl. Teil I, Nr. 21 vom 11. Mai 2011, S. 748 – 774) in Kraft. Danach wurde der Einsatz von geeigneten Sicherungseinrichtungen beim Anschluss von Apparaten an die Trinkwasserinstallation festgelegt.

 

Ziel ist es, das Eindringen von Nichttrinkwasser in Trinkwasseranlagen unbedingt zu verhindern.

 

Hierzu Beispiele:

Ein Heizungsfüllschlauch bleibt nach dem Füllvorgang mit der Trinkwasseranlage verbunden, oder ein Gartenschlauch ist an einem ungesicherten Auslaufventil angeschlossen und endet in einem gefüllten Fass. Durch Rücksaugung (Saugheberwirkung), bedingt durch plötzlichen Druckabfall in der Trinkwasseranlage, gelangt so abgestandenes und verunreinigtes Wasser in die Trinkwasseranlage. Nach DIN 1988 sind in Abhängigkeit der von einer Einrichtung oder einem Apparat ausgehenden Gefahren für das Trinkwasser verschiedene Sicherungseinrichtungen und Armaturen vorgeschrieben, deren Einbauort und Einbaumaße einzuhalten sind.

 

Sicherungsmöglichkeiten

Es werden Einzel- und Sammelsicherungen unterschieden. Bei einer Einzelsicherung wird jede Trinkwasserentnahmestelle einzeln abgesichert. Bei einer Sammelsicherung werden mehrere Entnahmestellen durch eine gemeinsame Einrichtung abgesichert.

Die Auswahl der erforderlichen Sicherungseinrichtung richtet sich nach der Gefährdung des Trinkwassers. Die Stoffe, die in das Trinkwasser gelangen können, sind in 5 Gefährdungsklassen eingeteilt.

 

Klasse 1

Ohne Gesundheitsgefährdung und ohne Beeinträchtigung des Geruchs, Geschmacks oder der Farbe, z.B. erwärmtes Trinkwasser.

 

Klasse 2

Ohne Gesundheitsgefährdung und mit Beeinträchtigung des Geruchs, Geschmacks oder der Farbe, z.B. Kaffee, Rostwasser.

 

Klasse 3

Gesundheitsgefährdung durch wenig giftige Stoffe, z.B. Heizungswasser ohne Zusatzstoffe.

 

Klasse 4

Gesundheitsgefährdung durch giftige, krebserregende oder radioaktive Stoffe (Lebensgefahr), z.B. Chemikalien, Insektizide.

 

Klasse 5

Gesundheitsgefährdung durch Erreger übertragbarer Krankheiten (Lebensgefahr), z.B. Salmonellen, Hepatitisviren.

Nach der möglichen Gefährdungsklasse müssen in Geräte und Auslaufarmaturen die Sicherungseinrichtungen eingebaut sein oder eingebaut werden.

 

 
Sicherungseinrichtung Gefährdungsgrad
1 2 3 4 5
Freier Auslauf x x x x x
Rohrunterbrecher A1 x x x x x
Rohrunterbrecher A2 x x x x (x)
Rückflussverhinderer x x (x) -- --
Rohrbelüfter C, D, E x x -- -- --
Rohrtrenner EA1 x x x -- --
Rohrtrenner EA2 x x x x --
Rohrtrenner EA3 x x x x (x)
Systemtrenner BA x x x x --
Sicherungskombination x x x -- --
Rohrschleife x x x x --

 

Zeichenerklärung: x =

generell zugelassen

   
  -- =

nicht zugelassen

   
  (x) =

bei kurzzeitigem Anschluss zugelassen

   

 

 

 

Apparate, die kein DIN-DVGW-Zeichen tragen, müssen zusätzlich gegen Rückfließen gesichert werden, z.B. Geschirrspülmaschinen, Waschmaschinen, Enthärtungsanlagen.

 

Freier Auslauf

Das Wasser läuft frei, ohne weitere Verbindung zur Trinkwasseranlage in die Sanitäreinrichtung oder Behälter, z.B.:

- Spülkasten, - Wannenauslauf.

 

Rohrunterbrecher A1 und A2

Diese gibt es in 2 Arten (A1-A2) und sind immer auf der Armaturenausgangsseite montiert. Beim Rohrunterbrecher A1 sind die Belüftungsöffnungen immer offen. Kommt es zum Rücksaugen, wird Luft angesaugt und die Saugheberwirkung ist unterbrochen.

Beim Rohrunterbrecher A2 sind die Belüftungsöffnungen im Betriebszustand geschlossen. Diese öffnen sich bei Unterdruck selbstständig.

 

Rückflussverhinderer

Im Rückflussverhinderer drückt eine Feder den Ventilkegel selbstständig auf den Ventilsitz. Wird Wasser gezapft, öffnet sich dieser durch das fließende Wasser (Druck). Rückflussverhinderer werden eingesetzt:

- nach der Wasserzähleranlage,

- in Auslaufventilen mit Rohrbelüfter und Schlauchverschraubung,

- bei der Sammelsicherung in Steigleitungen, u.a.

 

Rohrbelüfter

Es werden 3 Typen (C, D, E) unterschieden. Bei Unterdruck wird eine Belüftungsöffnung freigegeben und Luft in das Rohrsystem gesaugt. Bei der Bauform C sind die Belüftungsöffnungen im Betriebszustand durch einen Schließkörper verschlossen. Bei Unterdruck wird der Schließkörper angehoben.

Bei den Bauformen D und E sind die Belüftungsöffnungen durch einen Schwimmkörper verschlossen, der sich bei Unterdruck löst und die Lüftungsöffnungen freigibt.

 

Rohrtrenner

Bei Rohrtrenner werden 3 Einbauarten unterschieden.

Der Rohrtrenner ist stets in Durchflussstellung. Bei Absinken des Eingangsdruckes trennt er durch eingestellte "Federkraft" den Durchgang.

 

Einbauart EA2

Rohrtrenner ist nur während der Wasserentnahme in Durchflussstellung, sonst in Trennstellung. Er wird elektrisch oder hydraulisch gesteuert.

 

Einbauart EA3

Funktioniert wie EA2, ist jedoch mindestens 300 mm über dem höchsten Wasserspiegel (H) und unmittelbar vor der Entnahmestelle einzubauen.

Der Rohrtrenner ist stets in Durchflussstellung. Bei Absinken des Eingangsdruckes trennt er durch eingestellte "Federkraft" den Durchgang.

 

Einbauart EA2

Rohrtrenner ist nur während der Wasserentnahme in Durchflussstellung, sonst in Trennstellung. Er wird elektrisch oder hydraulisch gesteuert.

 

Einbauart EA3

Funktioniert wie EA2, ist jedoch mindestens 300 mm über dem höchsten Wasserspiegel (H) und unmittelbar vor der Entnahmestelle einzubauen.

 

Sicherungskombination

Rückflussverhinderer und Rohrbelüfter Bauart C sind mit Entnahmearmaturen kombiniert.

 

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